MFake America great again!

To fake: fälschen, fingieren.

Wenn ich den Feuilletons der Zeitungen glauben kann, in die ich meine Nase stecke, hat die politische Klasse der USA ihre Nase inzwischen ziemlich voll von ihrem Präsidenten, anscheinend über die Parteigrenzen hinweg – die natürlich weiter bestehen und dazu tendieren, das Land (nicht die einzelnen Bundesstaaten) zu lähmen.

Auch der Präsident selber scheint immer weniger Lust auf sein Amt zu haben.

Vielleicht aber werden wir in den deutschsprachigen Zeitungen nicht „richtig“ informiert, also nicht bloß im Sinne von „zutreffend“, sondern auch i.S.v. „Nachrichtenwert zutreffend eingeschätzt“. Vielleicht ist uns der Konsens, der in Deutschland und anscheinend ganz Europa bezüglich des POTUS herrscht, so wichtig (weil wir ansonsten in so wenigen Fragen ausreichend übereinstimmen), dass wir nur erfahren wollen, was diesem Konsens auch dient?

Ich mein ja nur. Wenn FAZ und SZ sich einig sind, kann man schon mal ins Grübeln kommen.

Wie dem auch sei, ich beanspruche jedenfalls das Urheberrecht für die obige Abwandlung des Trump’schen Wahlmottos. Period.

Blickrichtung

Neulich einen Schnappschuss aus dem Zugfenster gemacht, unscharf, verwackelt, missglückt:

Original
Original

Ich kann nicht mehr sagen, weshalb ich auf den Auslöser drückte. Ich weiß aber noch, dass ich in jenem Augenblick dachte „das wird eh nix“ und trotzdem auslöste. Was im Umkehrschluss heißt, dass ich ja irgend ein Ergebnis erwartet haben muss, im Vergleich zu dem das vor der Aufnahme antizipierte Foto „nix“ sein konnte.

Blöd nur – ich kann nicht sagen, was.

Das Foto war dann auch wirklich „nix“. Aber etwas veranlasste mich, es nicht zu löschen; stattdessen dunkelte ich es ab und intensivierte die Farben:

Approaching Frankfurt

Das Resultat hatte definitiv nichts mehr gemein mit der wahrgenommenen Wirklichkeit. Erstaunlicherweise fand ich das so entstandene Bild plötzlich betrachtenswert. Es (man sollte nie die eigenen Fotos interpretieren) zeigte nun etwas von der schieren Kraft eines modernen Hochgeschwindigkeitszuges.

Mir schoss „Approaching Frankfurt“ durch den Kopf. Erst wollte ich es unter diesem Titel auf meinen Blog stellen, wurde dann aber unsicher. Näherte sich der Zug wirklich FfM Hbf? Oder verließ er etwa die Stadt? Ich fahre nicht oft genug mit dem Zug nach Frankfurt, um das anhand des Bildes sagen zu können.

Und dann fiel mir auf: nicht mehr sicher, welche Fahrtrichtung der gezeigte Zug hatte, war ich automatisch davon ausgegangen, dass er „zurückkehrte“, weil er von rechts nach links fuhr: Richtung Herkunft – und zwar, wir lesen von links nach rechts, der geschriebenen Zeile. Das warf die nächste Frage auf: Ist „Rückkehr zum Anfang“ nicht in gewissser Weise das ganaue Gegenteil von „Erreichen des Zieles“?

Ich machte einen Test:

gespiegelt
Approaching Frankfurt -gespiegelt?

Das Bild gedreht, die Schnauze des ICE nach rechts (und den Text spiegelverkehrt), sah es für mich tatsächlich nicht mehr aus wie „Annäherung“ („approach“) oder Rückkehr, wirkte es tatsächlich wie Abfahrt, Aufbruch, Sich-Entfernen.

Ich wüsste gerne: ist das nachvollziehbar?

Ein Ausflug ins „Neue Frankfurt“

Das Neue Frankfurt ist nicht so neu: Zwischen 1925 und 1930 wurden für die notleidende Frankfurter Bevölkerung tausende neue Wohnungen errichtet, geplant unter Oberbürgermeister Ludwig Landmann von einem Stab um den 1925 zum Stadtbaurat ernannten Architekten Ernst May.

Frankfurter Stadtwappen Bauhausstyle
Stadtwappen Frankfurt, Bauhausstyle

Insgesamt 26 Siedlungen sollten in den damaligen Außenbezirken der Stadt entstehen, nach neuesten architektonischen und technologischen Erkenntnissen. Erklärtes Ziel war, mit beschränkten kommunalen Mitteln möglichst vielen Menschen eine menschenwürdige Behausung zu schaffen. Das extrem ehrgeizige Projekt versammelte führende Köpfe der klassischen Moderne, darunter auch heute noch so bekannte Namen wie Walter Gropius, Margarethe Schütte-Lihotzky und Bruno Taut.

Letzterer war selbst federführend an einem vergleichbaren (weil aus einer gleichartigen Notlage entstandenen) Projekt in Berlin beteiligt, der Hufeisensiedlung. Sie genießt heute den Status als Weltkulturerbe. Vergangenes Jahr konnten meine Frau und ich dort einige Tage in einem „bewohnbaren Museum“ verbringen: Eines der Siedlungshäuser wurde von den Eigentümern aufwändig originalgetreu restauriert und wird seither als Ferienwohnung an interessierte Gäste vermietet. Unser Aufenthalt war eine Zeitreise. Wir hatten das Gefühl, unmittelbar in die späten zwanziger Jahre einzutauchen.

Seltsamerweise stellte ich mir damals nicht die Frage nach vergleichbaren Bestrebungen in anderen Städten, etwa meinem Geburtsort Frankfurt. Dabei hätte sie nahe gelegen: Bis zur Gründung von „Groß-Berlin“ im Jahr 1922 war Frankfurt die flächenmäßig größte Stadt im Deutschen Reich und hatte mit Berlin vergleichbare Probleme, Arbeitslosigkeit, Verelendung, Wohnungsnot. Tatsächlich sind auch die Lösungswege vergleichbar, die in beiden Städten beschritten wurden.

Ende April unternahmen wir einen Ausflug in zwei der bestehenden Siedlungen des „Neuen Frankfurt“: die Römerstadt und die Hellerhofsiedlung. Von Mainz aus ein bisschen näher als Berlin… Trotz der unterschiedlichen Entwicklung der Siedlungen in Berlin und Frankfurt in den vergangenen neunzig Jahren ist die gemeinsame ideelle Grundlage deutlich sicht- und spürbar.

Hier einige Aufnahmen aus einem der Einfamilien-Reihenhäuser in der Römerstadt, dem Ernst-May-Haus. Es wurde von der ebenfalls nach May benannten Gesellschaft restauriert und ist als Museumshaus auch von innen zu besichtigen – für uns natürlich eine schöne Gelegenheit, einen Vergleich mit dem „Tauten Heim“ in der Hufeisensiedlung zu ziehen.

Viele Häuser der Siedlung Römerstadt werden übrigens noch von Nachkommen der ersten Mieter bewohnt; die zuständige städtische Wohnungsbaugesellschaft hält sich noch immer an die mit den Erstmietern geschlossenen Erbmietverträge. Auch dies ein Unterschied zur Berliner Hufeisensiedlung.

Die einst in alle Häuser der Siedlung Römerstadt eingebaute, weitgehend restaurierte „Frankfurter Küche“ der Architektin M. Schütte-Lihotzky:

Was mich bei dem Besuch in Frankfurt ebenso berührte wie ein halbes Jahr zuvor in Berlin, konnte ich zunächst nicht in Worte fassen, dabei ist es im Grunde einfach: Die Häuser und Siedlungen des „Neuen Frankfurt“ faszinieren wie jene der Hufeisensiedlung  durch die Konsequenz, mit der ein über das rein Architektonische hinaus weisender, umfassender Ansatz für Wege aus dem damaligen Massenelend gesucht wurde.

Nach nur fünf Jahren, im Jahr 1930, gab die Stadt ihr Projekt „Neues Frankfurt“ infolge der Weltwirtschaftskrise wieder auf. Von den geplanten 26 Siedlungen wurden nur 12 verwirklicht. Statt für 20000 Menschen und mehr konnte bloß für etwa 10000 neuer Wohnraum geschaffen werden. Die ursprüngliche Zielgruppe, die Arbeiterschaft, brachte in der Krise zudem die geforderten Mieten nicht auf. So wurden viele der Siedlungswohnungen an Angestellte und Beamte vergeben, die Ende der zwanziger, Anfang der dreißiger Jahre ebenfalls mit wirtschaftlicher Not zu kämpfen hatten. Auch dies ist mit der Entwicklung vergleichbar, die während der Weltwirtschaftskrise in Berlin stattfand.

Die nichtproletarischen Bewohner werden in diesen Krisenzeiten ebenso froh über die großzügigen Gärten gewesen sein wie ihre Nachbarn aus der Arbeiterschaft, hatten die Planer sie doch so bemessen, dass sie als Nutzgärten spürbar zur Versorgung jeder einzelnen Familie beitragen konnten – eine weitere Gemeinsamkeit mit Bruno Tauts Siedlungen in Berlin.

Gärten wie der hier gezeigte gehören bis heute zu jedem der Reihenhäuser in der Römerstadt. Das relativiert die für heutige Verhältnisse sehr bescheidene Anmutung der Siedlungsbauten beträchtlich: denn wer kann sich heute – mitten in Frankfurt – eines eigenen Gartens dieser Größe erfreuen?

Garten hinter dem Ernst-May-Haus

 

Bilder aus dem Ernst-May-Haus und von der Römerstadt:

Schlaf

Jeden Abend vor dem Schlafengehen ziehe ich als Letztes meine Armbanduhr, meinen Ehering und meine Brille aus. Jeden Abend, und fast immer in dieser Reihenfolge.

Gestern fiel mir auf, wie hochsymbolisch das ist: man legt die Kontrolle über die Zeit ab und entäußert sich der Verbindung zu anderen Menschen und zuletzt der Wahrnehmungsfähigkeit.

Dann fällt man in Schlaf.

 

 

Kehlchen

Neulich im elterlichen Haus gewesen. Endlich kein Winterwetter mehr – also raus auf den Balkon! Der Piepmatz auf dem Dach des Nachbarn lärmte aus vollem Kehlchen.

So I shot him – not „bang“, just „click“, ya know.

Mit 300er Tele und Ausschnittvergrößerung – er war also weit weg. Aber laut! Freunde sagen, es sei ein Rot-, ich meine es ist ein Gelb- Kehlchen.

gelbkehlchen
Gelbkehlchen

Gibt es die überhaupt?

Samstags-Spaziergang

26.2.2017

Auf dem Wochenend-Spaziergang den Fotoapparat mitnehmen ist vielleicht spießig. Aber macht Spaß. Und hilft, die Stadt einmal anders zu sehen, spätestens bei der Bearbeitung am Rechner.

Wer möchte, kann die Bilder als fotografische Belege für den Fortbestand des Alten im Neuen anschauen; ein Thema, das gerade in Mainz überall und oft ganz unverhofft zutage tritt. Wie (fast) immer: zum Vergrößern bitte ins Bild klicken.

Die ersten drei Fotos entstanden im Volkspark, unten über den Bahngleisen, das letzte an seinem anderen Ende nahe der Salvatorstraße.

Eins hab ich noch – eine Snapseed-Bearbeitung unter Einfluss berauschender Substanzen am Rosenmontag (Pinot blanc aus Rheinhessen):

Neulich auf unserer Terrasse

„Umdrehen“ sagte mein Schatz neulich beim Sonntagsfrühstück, „aber langsam. Guck raus“.

Tat ich. Dann stand ich ganz langsam auf, holte die Kamera vom Wohnzimmerregal – alles in Zeitlupe – und machte ein paar Bilder von dem Gast, den wir diesen Winter schon häufiger bei uns hatten, aber noch nie so, hm, so fotogen.

Wintergast
Wintergast