Al-Quds, Jerusalem, Jeruschalajim

17. Rabi’Al-Awwal 1439 / 6. Dezember 2017 / 18. Kislew 5778

Der Präsident der USA hat Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt.  Jetzt gehen wir großen Zeiten entgegen: einer neuen Intifada! Was ist gerechter, als zur Strafe möglichst viele Juden umzubringen? Was bewegender, als möglichst viele beim Versuch Juden zu töten selbst getötete Palestinenser zu betrauern? Obwohl — sie werden als Märtyrer sterben, in den kommenden Wochen, Monaten, vielleicht Jahren. Und „als Märtyrer sterben“ heißt „in den Himmel kommen“. Perfekt. Hier auf Erden seine Mordlust an Juden austoben dürfen, dafür als Held gefeiert werden und im Jenseits das aller- allerschönste Leben haben.

Palestinenser müsste man sein — Tod den Judenschweinen, die es 1967 nach dem zweiten von uns angezettelten und verlorenen Krieg wagten, ihren Landgewinn nicht wieder herzugeben! Tod den Juden, die es wagten, sich zu nehmen, was sie für das ihre halten, nachdem wir mit unserem Versuch, dasselbe zu tun gescheitert sind! Sie haben den Tod verdient, denn sie schaffen, was wir zu gerne selber täten, wofür wir aber zu uneinig, zu ungebildet, zu arm und zu unterdrückt sind: eine funktionierende Staatlichkeit, ein halbwegs funktionierendes Rechtssystem, ein Bildungs-, ein Gesundheitswesen. Und ein Militär, das nicht bloß Massaker anrichtet, sondern die Kriege gewinnt, die wir beginnen.

Ach nein, ich bin lieber doch kein Palestinenser. Ich glaube, es ist eigentlich ganz schön beschissen, von den islamischen Staaten und allen Antisemiten weltweit dazu missbraucht zu werden, als lebender Beweis für die Gemeinheit Israels vegetieren zu müssen. Und obendrein ständig der Willkür irgend welcher Israelis ausgesetzt zu sein.

Nee, Israeli wär‘ ich auch nicht so gern: die ultrareligiösen Juden meines Landes erlauben mir nicht, Händchen mit meiner Freundin zu halten, meine Regierung tut einen Dreck, um etwas Vernunft in den Konflikt mit den Palestinensern zu bringen, meine jüdischen Nachbarn finden mehrheitlich, ein israelischer Sanitätssoldat, der einen wehrlosen verletzten Palestinenser umbringt, statt ihm zu helfen, damit er gesund wird  und ein rechtsstaatliches Verfahren für seinen Attentatsversuch gegen ihn angestrengt werden kann, sei kein Mörder, sondern ein Held. Und immer diese Vorwürfe: wir Israelis seien Nazis, würden die Menschen in Gaza behandeln wie die Deutschen unsere Vorfahren in Auschwitz. (Was, bei aller Bösartigkeit der israelischen Besatzung, eine atemberaubende Verharmlosung der Menschheitsverbrechen Nazi-Deutschlands darstellt.)

Wie schön, dass ich weder Palestinenser noch Israeli sein muss, sondern Deutscher zu Beginn des 21. Jahrhunderts sein darf. Was das Recht beinhaltet, in den kommenden schlimmen Monaten ungehemmt durch Wissen oder Empathie meinen wahlweise antisemitischen oder antiislamischen Vorurteilen laut und deutlich (und ungefährdet) Ausdruck zu verleihen.

Vielen Dank, Mr. Trump, für die Vorfreude auf dieses exquisite Vergügen.

PS.: Glücklicherweise darf ich ein Leben führen, in dem es mir nicht möglich ist, zu diesem Beitrag passende Fotografien aufzunehmen. Deshalb keine Bilder.

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