Ein paar persönliche Gedanken zum Thema „Letzte US-Wahl“

Ähm.

Viele, die Trumps Wahl so schrecklich finden, scheinen mir weniger um die politischen Folgen besorgt, als in erster Linie beleidigt zu sein, dass hier Stil und Erfolg in einem anscheinend so gigantischen Missverhältnis stehen. „Kann, darf jemandem, der mit so viel Geld ein so scheußliches Domizil eingerichtet hat, die Entscheidungsgewalt über die Atombombe übertragen werden?“ – Übersetzt: Darf jemand mit einem derart peinlichen Geschmack eine Präsidentenwahl gewinnen?

Die meisten der so erschrockenen KolumnistInnen sind, ich glaube durchaus zurecht, entsetzt über die peinliche Unfähigkeit des künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, sich angemessen zu betragen. Einige auch über die (wie auch ich finde – aber das ist persönliche Meinung) Unredlichkeit, die ihm schon aus dem Gesicht abzulesen ist, wenn er vor der Kamera das Wort ergreift.

Das mag so sein, oder wir irren uns. Egal, es geht an der Sache vorbei. Die Sache ist: Der künftige Präsident der USA ist nicht politisch. Und deshalb wurde er gewählt.

Konzernbosse sind nicht unbedingt bekannt dafür, die Interessen ihrer Widersacher gelten zu lassen. Politiker müssen das stets tun, sonst erleiden sie Schiffbruch. Sie oder das Gemeinwesen, das sie vertreten.

Mein (durch die Feuilletons der Zeitungen, die ich lese gefilterter, also befangener) Eindruck ist: Trump steht einer Reihe von untereinander durch familiäre Verpflichtungen verbundenen Unternehmen vor. Er hat keine Ahnung von „Politik“ als einer öffentlichen Sphäre, in der ein Gemeinwesen, sei es nun auf kommunaler oder auf internationaler Ebene, seine Belange regelt. Ein Konzernchef – genauer: Haupt einer Gruppe von Familienunternehmen – in der Politik, das weckt bei mir einfach keine Assoziationen von „Politik“, sondern von „Clan“, gar „Pate“, bestenfalls „Patriarch“. Genau das, denke ich, hat ihm so viele Stimmen eingebracht.

Der Sieg von Donald Trump ist ein untrügliches Zeichen, dass die Zahl der Menschen, die von „Politik“ die Schnauze voll haben und lieber einen Boss wollen, der (natürlich weise und gerecht!) ihre Dinge regelt, zu hoch geworden ist. Das aber ist doch kein „Sieg von Trump“. Das ist eine „Niederlage der parlamentarischen Demokratie“.

Ähm.

Wie steht’s bei uns?

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